Nach Qualifikation: England bei der Fußball WM 2014 nur Außenseiter

England gilt als das Mutterland des modernen Fußballs, denn der Ballsport hat an den englischen Universitäten erste Verbreitung gefunden – und es ist auch eine englische Hochschule, Cambridge, an der 1848 die erste Sammlung von Fußballregeln, die sogenannten Cambridge Rules, aufgestellt wird. Diese legt in ihrer 1863 revidierten Form den Grundstein für die Spielregeln, wie sie heute gelten.

Tradition verpflichtet offenbar, denn in der Gegenwart, wo sich der Ballsport unter die populärsten Sportarten einreiht, zählt das Land weltweit zu den besten Fußballnationen; die höchste Spielklasse des nationalen Systems aus Profiligen genießt internationales Ansehen. So ist England also nicht nur aufgrund seiner Kultur, der Hauptstadt London, seiner pittoresken Dörfer und Landstriche wegen eine Reise wert, sondern sollte unbedingt auch ein Ausflug in ein Fußballstadion am Programm stehen.

Stamford Bridge Stadium
Englische Fußballstadien sind immer einen Besuch wert, die einzigartige Atmosphäre macht den englischen Fußball – wie hier an der Stamford Bridge vom FC Chelsea – zum Erlebnis. Bildquelle: wikimedia

Der attraktive Fußball auf Vereinsebene setzt sich zumeist auch auf nationaler Ebene fort; nicht umsonst ist die unter dem, drei Löwen zierenden, Wappen der Football Association, dem traditionsreichen englischen Fußballverband, agierende Nationalmannschaft aktuell immerhin auf Platz 10 der FIFA/Coca Cola Weltrangliste gereiht. Der jüngste Streich der gegenwärtig von Roy Hodgson trainierten Nationalelf ist die direkte Qualifikation aus der Gruppenphase der WM Qualifikation zur Endrunde 2014 in Brasilien.

Die WM Qualifikation der UEFA

Die Fußball Weltmeisterschaft wird vom Weltverband, FIFA, ausgetragen, die Teilnehmer des Turniers werden aber von den Kontinentalverbänden bestimmt. Das europäische Qualifikationsturnier findet folglich unter der Schirmherrschaft der UEFA statt, der vom Weltverband insgesamt 13 Startplätze zur Vergabe zugeteilt sind.

Bereits am 7. September 2012 wurden die 53 Mitgliedsverbände, darunter England, vom europäischen Fußballverband in den Bewerb um die WM-Tickets geschickt. Mittlerweile ist die Gruppenphase zum Abschluss gebracht und neben den Three Lions halten noch Spanien, Italien, Deutschland, Belgien, die Schweiz, Holland, Russland und Bosnien ein Ticket in den Händen. Die verbleibenden vier Startplätze werden am 15. und 19. November im Rahmen der Relegation ausgespielt.

WM Qualifikation England
Knappe Angelegenheit: England beendet die Gruppenspiele mit einem Punkt Vorsprung auf die Ukraine und qualifiziert sich damit als Gruppenerster für die Fußball WM 2014

Dass dem englischen Kader aus der Gruppenphase heraus der Sprung in das Turnier gelingt, war angesichts der Gruppenkonstellation (neben England: Ukraine, Montenegro, Polen, Moldawien und San Marino) keine Überraschung. Sogar den Buchmachern galt die Auswahl von Roy Hodgson als Favorit auf den Gruppensieg. In Brasilien warten dann allerdings andere Kaliber, als in Gruppe H der europäischen WM Qualifikation. Die Chancen für die Endrunde in Brasilien selbst werden entsprechend schlechter eingeschätzt, wie der Wettquoten Vergleich der wichtigsten Buchmacher in diesem Beitrag rund 7 Monate vor Beginn des Turniers zeigt.

England gilt als Außenseiter im Kampf um den WM-Titel

Auf der Favoritenliste der Buchmacher für den Weltmeister 2014 reiht sich England mit Wettquoten von über 20:1 nach den großen Fußballnationen Deutschland, Argentinien und Spanien, aber auch nach Belgien, den Niederlanden und Italien ein. Angeführt wird die Liste von Gastgeber Brasilien, der aufgrund der jüngsten Leistungen in offiziellen Spielverpflichtungen jedoch auf der FIFA Weltrangliste nur auf Platz 11 gereiht ist. Doch das Finale im Confed Cup, dem als WM-Generalprobe angelegtem Turnier ein Jahr im Vorfeld des Großereignisses, hat gezeigt, dass mit der Selecao wieder zu rechnen ist.

Im Direktvergleich mit Spanien, dem amtierenden Welt- und Europameister sowie der seit langer Zeit unangefochtenen Nummer eins auf der Weltrangliste, haben die brasilianischen Nationalspieler rund um Neymar, Oscar und Paulinho der Welt den neuen Glanz und die neue Stärke des nationalen Fußballs präsentiert.

Die Three Lions hingegen haben in den jüngeren Vergleichen keine herausragende Figur gemacht. Bei den Fußball Europameisterschaften 2012 ist die Mannschaft im Viertelfinale mit 2:4 an Italien gescheitert. Der tiefer in die EM-Geschichtsbücher forschende Blick offenbart lediglich ein besseres Ergebnis: 1968 hat England als Dritter abgeschlossen. Auch der letzte – und einzige – Erfolg bei den Weltmeisterschaften datiert auf ein Jahr weit in der Vergangenheit: bei der Heim-WM 1966 haben die Traditionskicker im Finale gegen Deutschland den Weltmeistertitel errungen.

Den Engländern scheint es im entscheidenden Moment an der notwendigen Kraft zum Abschluss zu fehlen. Vielleicht aber wendet sich das Blatt und geht im nächsten Jahr, in Brasilien, der Stern der Three Lions auf. Das wichtigste Fußballturnier von internationalem Format geht dann bereits in seine 20. Auflage. Angepfiffen wird das Eröffnungsspiel zum Jubiläumsturnier am 12. Juni 2014, der letzte Akt, das Finale, findet knapp ein Monat später, am 13. Juli 2014, in Rio de Janeiro statt.